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  Zum Lebenswerk des Malers György Urbán

 


Die annähernd fünf Jahrzehnte umfassende künstlerische Laufbahn gebietet Respekt. In ihr ist das Talent des Meisters, seine menschliche Empfindsamkeit, seine Befähigung, die Welt zu erkennen und natürlich auch die historische Epoche enthalten, jene Zeitetappe, an die dieser Lebensweg gebunden ist. Der Werdegang umspannt einen wunderbaren Bogen vom Moment der Entdeckung des Talents bis hin zu seiner vollen Entfaltung im Lebensalter, das Weisheit ausströmt.
Wie jeder seiner Zeitgenossen, so ging auch György Urbán von der realistischen Darstellungsmethode des Gesehenen aus, künden seine Werke vom Erkennen und sind als Verewigung der in der Natur erkannten Schönheiten realisiert. Die Ge­mälde entstanden orientiert am damals anerkannten Wertesystem. Die Betrachtungsweise entsprach der Individualität des Meisters und im Grunde genommen, bekam der Künstler sie am Beginn seiner Laufbahn von seinen Lehrern mit auf den Weg. Er erzielte auch Erfolge, war er doch ein sensibler Schöpfer. Und auf ziemlich rasche, souveräne Weise war er in der Lage, die von ihm gewählten Themen in Bilder umzusetzen. Wahrhaft schön sind jene seiner Werke, in denen die realistische Darstellungs­weise mit dem impressionistischen Einsatz der Farben und den Lehren der Kompositionsmethode verschmilzt. Diese Werke zeichnet vor allem ihre Stimmung aus. György Urbán wollte sich indes nicht mit der aus seinem Erfolg stammenden Zufrieden­heit begnügen. Er erweiterte bewusst seinen Wissensstand, lernte und war auch fasziniert von den durch die neuen Entdeckun­gen der Naturwissenschaften gebotenen visuellen Erlebnissen. In seiner Kunst erscheint die „kosmische Weltsicht“. Und die Dar­stellung metaphysischer Zusammenhänge zog sein Interesse an. Natürlich überschritten seine im Zeichen dieser Bestrebung entstandenen Werke bereits die Grenze der Figurativität. In den Kompositionen waren Dynamik, Bewegung und Rhythmus entscheidend präsent und in der Farbwahl äußerte sich der Anspruch auf Expressivität. Geistig anspruchsvoll und oft mit bravourösem Malen gepaart, bewiesen diese Bilder bei ihrem Entstehen die Ars poetica der Laufbahn des künstlerischen Schaffens und verhalf so seiner Kunst in dieser Periode zum Erfolg. Ohne Übertreibung können wir feststellen, dass in diesem Abschnitt seiner Laufbahn die selbstständige Stimme und die volle Souveränität eindeutig wurden.
Die vergangenen zwei Jahrzehnte sind hingegen die Periode der Vollendung, wo in seiner Kunst neben der gedanklich-inhaltlichen Differenzierung die ikonografischen Systeme entstanden, die an die Persönlichkeit gebunden werden können und so eindeutig fachliche Probleme in den Mittelpunkt gelangten wie zum Beispiel der Zusammenhang und das Verhältnis von Malerei und Bildhauerei. Seine mit brillanter meisterhafter Qualifikation gestalteten Kugelbilder, die quasi Raumplastiken sind, wo er in Form und in Farblichkeit unter Verschmelzung der Vorteile dieser beiden Kunstgattungen die Möglichkeiten der Verbindung präsentierte. Und natürlich ergab sich der folgende Schritt, als er unter den Werten der gleichzeitigen progressiven Bestrebungen seine Auswahl traf und im Stande war, alle jene Momente hervorzuheben, die offensichtlich nebeneinander und aufeinander wirkend, in wechselseitigem Zusammenhang stehen – der Kinetismus, das Spiel von Licht und Schatten, die verschiedene Spannungsverhältnisse in sich bergenden Raum-bezeichnungen – mit all jenen Ergebnissen, die sein bisheriges Werk kennzeichneten. Die Kunst György Urbáns formierte sich in dieser Schaffensperiode nicht mehr nur einfach im Bann der Schönheit, sonder hatten ein sehr ernsthaftes System von Gedanken zum Fundament, dem zufolge nicht das Erkennen, sondern das Aufwerfen von Fragen der Ontologie entschei­dend ist. Die Kunst von György Urbán fügt sich in das sehr cha­rak­teristische Aufgabengeflecht der zeitgenössischen Kunst ein und es ist vielleicht keine Übertreibung festzustellen, dass er in gewissem Sinn in seiner Differenziertheit einmalig in unserer Kunst der Gegenwart ist.
Die einführenden Worte waren voll des Respektzollens und so soll jetzt auch der abschließende Gedanke Aner­ken­nung ausdrücken, denn in seinen Werken sind eine geistige Frische, ein Interesse und eine Offenheit auszumachen, die György Urbán zum „ewig Jungen“ weihen. Mit unglaublich ri­goroser Folgerichtigkeit geht er den Weg der selbst ge­­wähl­ten Berufung und schafft ein Lebenswerk von un­bestreit­ba­ren Werten. Dafür gebührt ihm Dank.

Loránd Bereczky
Generaldirektor der Ungarischen Nationalgalerie


 
 
 
Fantasie, 100×120 cm, 2006
 
 
 
 
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